Seltsame Ereignisse, die im Krematorium passiert sind

Das Originalplakat: Qi Yu@schlecht Ansichten: 141 Antworten: 2 Gepostet in: 2012-12-23 12:58:14
Ein Licht durchbrach die Dunkelheit vor seinen Augen, Manager Wang erschrak plötzlich. Ein rotes Taxi tauchte lautlos aus der Dunkelheit direkt vor ihm auf. Mit dem abrupten Verstummen des Motors stieg Fahrer Li gekichert aus dem Auto. Alter Li ist ein gebürtiger Einheimischer; nach einigem Geplauder half er Manager Wang eifrig, die Sachen in den Kofferraum zu laden.

Alter Li ist seit über zehn Jahren in diesem Beruf tätig. Seit sein Kind auf die Highschool ging, hat es sich mit ein paar Rowdys eingelassen und ständig zu Hause um Geld gebettelt. Später hörte man, dass die Klasse einen neuen Klassenlehrer bekommen hatte, und nun war das Kind viel folgsamer und lernte gewissenhafter. Jetzt arbeitet Alter Li viel fleißiger. Für das Studiengeld seines Kindes an der Universität verdient Alter Li noch härter. Daher sucht Alter Li auch mitten in der Nacht weiterhin nach Aufträgen. Heute war er lange beschäftigt und hatte einiges Geld verdient; er wollte gerade Feierabend machen und nach Hause fahren, da traf er zufällig Manager Wang und dachte, dass er heute Glück hatte. Deswegen war er fröhlich. Doch danach konnte Alter Li nicht mehr lachen. Obwohl der Ort, zu dem Xiao Wang wollte, weit entfernt war und er für die Rückfahrt das Geld ebenfalls erhalten sollte – man konnte also einiges verdienen – fühlte sich Alter Li unwohl.

Dort ist die Zwischenstation, wo Lebende ins Grab treten – das Krematorium.

Das Krematorium liegt weit draußen am Stadtrand, in wenig besiedeltem Gebiet, zudem grenzt es an den Friedhof. Viele unheimliche und merkwürdige Geschichten wurden darüber erzählt. Alter Li hatte von seinen Kollegen gehört, dass es früher einmal einen Fahrer namens Liu gab, dessen Familie in schlechten Verhältnissen lebte. Er nahm in der tiefen Nacht noch Fahrgäste mit, unter anderem eine Person, die ins Krematorium wollte. Liu hatte nichts Böses vermutet und nahm die Fahrt an. Als sie das Krematorium erreichten, gab die Passagierin ihm einen roten Schein. Liu schenkte dem kaum Beachtung und gab ihr das Wechselgeld zurück. Auf dem Rückweg bemerkte er erst, dass der Schein Geistergeld war, das für Verstorbene bestimmt ist. Wütend kehrte er zurück, um die Frau zur Rede zu stellen. Doch das leere Krematorium war menschenleer. Im Trauersaal lag eine Person im Sarg in der Mitte. Als er näher hinsah, erschrak er zu Tode – es war dieselbe Frau, die eben ausgestiegen war, in der Hand hielt sie noch das von ihm zurückgegebene Wechselgeld. Das hatte Liu zutiefst erschreckt.

Später verschwand Fahrer Liu. Manche sagen, er sei gestorben, andere behaupten, er sei weggezogen; jedenfalls verlor sich jede Spur von ihm. Jetzt, in demselben Auto, das ebenfalls zum Krematorium fährt, beginnt Alter Li unbewusst, Angst zu verspüren. Schon beim Tragen der Sachen für Xiao Wang hatte er ein ungutes Gefühl: Egal ob Größe oder Haptik, die Tasche machte ihm Angst, und auf dem Rücksitz verhielt sich Xiao Wang eindeutig merkwürdig.Und seit gerade eben bis jetzt hat Xiao Wang sich überhaupt nicht bewegt, als wäre er tot. Er begann, sich zu fürchten. Als Xiao Wang gerade die Sachen getragen hatte, fühlten Größe und Beschaffenheit sich für Lao Li seltsam und überraschend an. Er dachte, dass Xiao Wang hinter ihm vielleicht ein Mörder sein könnte, denn egal wie er darüber nachdachte, diese Sachen konnten nur an eine Leiche erinnern. Lao Li zitterte und warf verstohlen einen Blick in den Rückspiegel. Dieser Blick war alles andere als harmlos – fast sprang ihm das Herz aus der Brust, und ein Schauer von Kälte breitete sich vom Herzen über den ganzen Körper aus. Auf dem Rücksitz war Xiao Wangs Gesicht wie leeres Papier, die augenlosen Augen starrten direkt auf Lao Li. Da keine Lippen sichtbar waren, zitterten die blassen Zähne und erzeugten ein unheimliches Kichern, das wie kalte Krallen Lao Lis Herz kratzte. Ein scharfes Bremsgeräusch ertönte. Manager Wang sah überrascht auf den schweißgebadeten Lao Li. Alles war wieder normal, als sei nichts geschehen. Lao Li rieb sich die Augen, atmete tief durch, wischte den kalten Schweiß von seiner Stirn und griff mit immer noch zitternden Händen notdürftig das Lenkrad. Nach langer Zeit beruhigte er sich wieder und fuhr nach außen hin ruhig weiter. Nachdem Lao Li die Stadt verlassen hatte, fuhr er nun in Richtung Krematorium. Da es keine Abzweigungen gab, würde es fast 30 Minuten dauern. Diese Straße war seit Jahren unverändert: noch immer nicht asphaltiert und ohne Straßenlaternen. Die Platanen am Straßenrand hatten längst alle Blätter verloren, nur noch kahle, wie teuflische Krallen wirkende Äste tanzten unheimlich im kalten Wind. Die sonst von Wolken verdeckte helle Mondlicht war plötzlich aufgetaucht und machte die Umgebung noch gespenstischer. Es gab keine Lebenskraft, selbst Lao Li war sich nicht sicher, ob er noch als lebendig gelten konnte. Die Zeit verstrich langsam, und er fühlte sich unruhig. War diese Straße wirklich so lang? Die Zeit hatte Lao Lis Erwartungen längst überschritten, und die Straße schien kein Ende zu nehmen, als würde sie ins Unendliche führen. Angst stieg still in ihm auf. Lao Li rieb seine Augen immer wieder und versuchte, sich zu beruhigen. Bumm! Bumm! Bumm! Plötzlich klopfte es im Kofferraum, und Lao Lis Herz schlug im gleichen Rhythmus immer heftiger. „Man kann anhalten!“ Eine Hand, die nur aus weißen Knochen bestand, legte sich sanft auf Lao Lis Schulter, begleitet von einem geisterhaft unterirdischen, teuflischen Klang. Lao Li rief: „Ah!“Ein herzzerreißender, qualvoller Schrei scholl aus dem Auto und rollte schwankend heraus. Er konnte es nicht mehr ertragen, und in seinem Herzen tauchte sofort ein Gedanke auf: „Ich werde hier sterben!“ Er lehnte sich gegen einen großen Baum, seine zitternden Beine konnten ihn nicht mehr tragen, und er starrte erschrocken ins Auto. Manager Wang sah mit einem seltsamen Blick zu Lao Li, als wäre nichts passiert. Langsam näherte er sich und half Lao Li auf, das Gesicht voller Besorgnis.

Lao Li hatte sich vor Xiao Wang völlig gefürchtet. War er überhaupt ein Mensch oder ein Geist? Unbewusst bemerkte er, dass er sich bereits vor dem Krematorium befand. Gerade eben war es ihm noch unmöglich, ans Ende zu gelangen. Langsam beruhigte er sich, atmete tief ein paarmal durch und stellte fest, dass er noch lebte. Xiao Wang gab Lao Li mehrere hundert Yuan-Scheine, scheinbar inklusive des Rückfahrgeldes, und dann nahm er selbst das Paket auf den Rücken und ging direkt auf das Krematorium zu.

Der Mond schien weiterhin grell auf die Erde, die geisterhaften Baumzweige bewegten sich immer noch. Lao Li überprüfte sorgfältig die Geldscheine, seufzte erleichtert, dass es kein „Geistgeld“ war. Als er den Kopf hob und dem Rücken von Xiao Wang nachsah, deckte ein kalter Wind, begleitet vom Rascheln der Blätter, und der schwache Leichengeruch von Xiao Wang die weiße Decke hinter ihm auf, wie ein gespenstischer, spöttischer Griff. Ein Gesicht, unter dem Mondlicht noch bleicher wirkend, kam vor Lao Li zum Vorschein. Es war ein Gesicht mit nur weißen Augen, das grinste wild. Dieses Gesicht ließ just in diesem Moment Lao Lis Seele beinahe zerbrechen; dieses Gesicht starrte von da an immer auf Lao Li; und dieses Gesicht wurde zum ewigen Albtraum in Lao Lis Herz.

Es war das Gesicht von Manager Wang. Er lächelte weiterhin seltsam Lao Li an. Lao Li konnte es nicht mehr ertragen, er rannte wie wahnsinnig zum Auto und verließ schnell das Krematorium; er wollte diesem Albtraum so früh wie möglich entkommen. Doch der Alptraum ging weiter. Endlich verstand Lao Li, warum Xiao Wang das Rückfahrgeld bezahlt hatte: Auf dem Rücksitz hielt Manager Wang eine kunstvoll gearbeitete kleine Schachtel in den Händen und lächelte auf unheimliche Weise...
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